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Thomas Kufus::Deutscher Filmpreis 2016

ABSCHIED VON MICHAEL BALLHAUS

Wir trauern um Michael Ballhaus. Wir trauern um einen Filmemacher aus unserem engsten Kreis, um den großen Kameramann Michael Ballhaus. Er war Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie, er hat den Nachwuchs-Kamerapreis bei den First Steps Awards ins Leben gerufen, er war Ehrenpreisträger für herausragende Verdienste um den deutschen Film beim Deutschen Filmpreis 2012, er war ein internationaler Star, er war unser Ehrenmitglied. Und Michael Ballhaus war ein sehr aktives Mitglied. Er ließ uns teilhaben. An seinen Bildern, seinem Wissen und seiner Leidenschaft für das Kino. Michael Ballhaus verstarb am 12. April 2017. Wir werden ihn unendlich vermissen.

Wir nehmen Abschied und erinnern uns an die wundervollen Worte, die unsere Präsidentin Iris Berben für ihre Laudatio fand, als sie ihm den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises überreichen durfte.

Guten Abend meine Damen und Herren.
Der große Martin Scorsese sagt über unseren heutigen Ehrenpreisträger: "Er ist mein Freund, mein Ratgeber, mein Retter, der mich in den dunklen Stunden des Zweifelns und Verzweifelns - und die habe ich nach wie vor bei jedem Film – wieder aufrichtet!“ Jedes Wort ein Ritterschlag aus dem Munde eines Genies. Statt Scorsese stehe heute ich vor Ihnen – sozusagen als Postillon d’Amour – um hoffentlich auch die richtigen Worte zu finden. Für ihn, den großartigen Kameramann Michael Ballhaus!

Lieber Michael Ballhaus,
zuerst möchte ich Ihnen als Präsidentin der Filmakademie danken, dass Sie als Gründungsvorstand der Deutschen Filmakademie diese wesentlich mit aufgebaut haben. Das verdient wirklich größte Anerkennung.

Ab jetzt spricht der begeisterte „Fan“ Iris Berben zu Ihnen, der Sie und Ihre Arbeit restlos bewundert. Um Ihren weltweiten Erfolg zu verstehen, muss man den Menschen Michael Ballhaus verstehen. Sie sind ohne Zweifel zu einem der größten Stars Ihres Faches geworden. Aber Allüren sind Ihnen fremd: Sie sind immer freundlich, klug, zurückhaltend und wirklich im besten Sinne bescheiden geblieben. Immer. Ich selber habe es erlebt, als ich vor einiger Zeit mit Sherry Hormann – eine wunderbare Regisseurin und Ihre Frau - den Film „Anleitung zum Unglücklichsein“ gedreht habe, kamen Sie irgendwann am Set vorbei. Ganz still und leise haben Sie in einer dunklen Ecke der Kulisse zugeschaut, am Monitor den Dreh verfolgt. Einfach so. Was für eine Ehre dachte ich mir, der „Kameragott“ Ballhaus schaut bei uns zu. Und wie berührend, als ich in Ihren Augen gesehen habe, wie stolz Sie auf Ihre Frau sind.

Bei aller Bescheidenheit wissen Sie bei Ihrer Arbeit aber sehr genau, was Sie wollen, wie Sie sich bei Ihren Filmen einzubringen haben. Hartnäckig und mit ungeheurer Kraft, um Ihre allerhöchsten Qualitätsansprüche durchzusetzen. Es geht sogar die Legende um, dass Sie einen Beleuchter vor vielen Jahren mal so lange getriezt haben, bis der mit einem Hammer nach Ihnen geworfen hat! Glücklicherweise verfehlte dieses „schlagende Argument“ sein Ziel. Und wo der Hammer wirklich hängt, das zeigen Sie seit Jahrzehnten – und Sie zeigen uns auch, was alle Großen ausmacht: Sie haben nämlich von allem mehr: mehr Begabung, mehr Fleiß, mehr Leistungsbereitschaft, mehr Enthusiasmus, mehr Intuition!

Egal wie weit oben Sie sind – Sie bleiben immer selbstkritisch, neugierig, verwundbar und setzen stets neue Maßstäbe. Sie haben mit Rainer Werner Fassbinder 17 Filme gedreht. Scorsese engagiert Sie für seinen Film „Die Zeit nach Mitternacht“ – und danach für alle seine Filme. Insgesamt führen Sie die Kamera bei über 80 Kinofilmen. Sie arbeiten mit den ganz Großen: Volker Schlöndorff, Wolfgang Petersen, Francis Ford Coppola. Sie sind ein Fleißiger! Sie ermutigen, Sie beruhigen, Sie lieben Ihre Schauspieler – das macht Sie zu deren Komplizen. Zurzeit, auch das finde ich spannend, fasziniert Sie bei Ihrem neuesten Filmprojekt nicht das Helle, Strahlende – sondern die Dunkelheit, das was eigentlich einer Kamera verborgen bleibt. Sie bleiben ein Suchender! Und auch das sind Sie: fernab Ihrer Filmbilanz – kümmern Sie sich um unsere Öko-Bilanz. 2007 haben Sie das „Ballhaus-Projekt“ ins Leben gerufen, das sich für den Klimaschutz stark macht. Sie sind ein Moderner!

Und, Ihnen liegt sehr am Herzen, dass Sie Ihr Können, Ihr Wissen an den Nachwuchs weitergeben. Damit meine ich nicht nur Ihre beiden Söhne, die in den Bereichen Kamera und Regie ungeheuer erfolgreich sind. Nein, Sie fördern alle, die Ihre Kunst erlernen wollen: Zum Beispiel lehren Sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, der Hamburg Media School oder seit 2011 an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, so dass hoffentlich irgendwann viele kleine „Ballhäuser“ hinter der Kamera stehen.

Sie sind ein Vorbild! Sie sind ein ganz außergewöhnlicher Mensch!

Lieber Michael Ballhaus, ich mache einen sehr tiefen Knicks vor Ihnen – und jetzt sehen wir Bilder, die Filmgeschichte geschrieben haben. Ihre Bilder!

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.


Wir sind aus tiefstem Herzen dankbar, dass wir an seinem großen Wissensschatz teilhaben durften und Michael Ballhaus auf unserem Filmbildungsportal vierundzwanzig. de die Begeisterung für bewegte Bilder an junge Menschen weitergegeben hat und geben wird.


Interview mit Michael Ballhaus: www.vierundzwanzig.de/de/interviews/kamera/michael-ballhaus/


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