Florian Liedel / © Deutsche Filmakademie e.V.

Dürfen wir Filme verändern? Eine Debatte über Kunst, Zeitgeist und Verantwortung

Am Donnerstag, den 1. Oktober 2026 lud die Deutsche Filmakademie unter der Überschrift „Dürfen wir Filme verändern? Über Kunst, Zeitgeist & Verantwortung“ in die Deutsche Kinemathek Berlin ein. Unter den rund 150 Gästen waren neben den Mitgliedern auch Branchenvertreter:innen, Filmwissenschaftler:innen und Studierende. Die Veranstaltung fand mit Unterstützung der Deutschen Kinemathek und des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum statt. Auch Wim Wenders, Hella Wenders und weitere Mitarbeiter:innen der Wenders Stiftung sowie der DEFA Stiftung zählten zu den Gästen.

Der Präsident der Deutschen Filmakademie Florian Gallenberger und Geschäftsführerin Anne Leppin begrüßten die Gäste und wiesen in ihrer Einführung darauf hin, dass der konkrete Fall von Wim Wenders und Natassja Kinski inzwischen geklärt sei. Wim Wenders hat die beanstandete Szene aus seinem Film „Falsche Bewegung“ mittlerweile geschnitten. Natürlich sei die ungeschnittene Fassung im Archiv erhalten geblieben. Sie dankten Wim Wenders für den Anstoß der Debatte und erklärten, dass man die Frage aus möglichst vielen unterschiedlichen Perspektiven beleuchten wolle. Gallenberger machte deutlich, dass man gerade mit Blick auf die politischen Entwicklungen in Deutschland und Europa die Frage nicht nur rückwärtsgewandt stellen dürfe. Es ginge auch um die Zukunft des filmischen Erbes: Wer entscheidet darüber, was bewahrt, was verändert und was vielleicht irgendwann nicht mehr gezeigt werden soll?

In vier Impulsen sprachen nacheinander der Journalist, Jurist und Autor Ronen Steinke, Filmemacherin Jutta Brückner, Kuratorin und Leiterin der Kinemathek Heleen Gerritsen und Filmwissenschaftlerin Lisa Gotto. Ronen Steinke fand verschiedene Beispiele des Umgangs aus anderen Kunst- und gesellschaftlichen Bereichen und machte deutlich, dass die rechtliche Situation im Fall Wenders/Kinski heute eindeutig sei. Interessant war die Bewertung durch Jutta Brückner, dass der Film durch den Verlust der Szene in seiner Aussage verändert wurde. Sie sprach sich stark dafür aus, auch Fehler zu bewahren und sichtbar zu lassen, damit problematische Spuren der Entstehungszeit nicht verloren gingen. Helen Gerritsen bot spannende Einblicke in die Archivethik und betonte die Bedeutung der Bewahrung und Kontextualisierung. Und Lisa Gotto plädierte dafür, historische Widersprüche nicht nach gegenwärtigen Maßstäben zu glätten, weil auch unsere heutigen Bewertungen nicht zeitlos sind. Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum, moderiert von Chris Wahl (Studiengangsleiter „Filmkulturerbe“ an der Filmuniversität Babelsberg), wurde deutlich, dass Filme nicht nur Unterhaltung und künstlerische Werke, sondern auch Dokumente ihrer Zeit sind. Sie bewahren Vorstellungen, Perspektiven und gesellschaftliche Verhältnisse.

Die spannende Debatte zeigte auf, dass es auf die eingangs gestellte Frage keine einfache Antwort oder einvernehmliche Haltung gibt. Es gibt zwar klare Gesetze und Regeln, es gibt das Urheber- und das Persönlichkeitsrecht, es gibt internationale Leitlinien der Filmarchive – aber es gibt auch unterschiedliche Vorstellungen, wie mit Werken, Fehlern, historischer Bewahrung und Kontextualisierung umzugehen ist. Es wurde deutlich, dass es am Ende wahrscheinlich immer wieder auf Einzelentscheidungen hinauslaufen wird. Insgesamt war es ein inspirierender Abend, der weitere Gespräche angestoßen hat und sicher nicht der letzte Austausch zur Frage war, ob wir Filme im Nachhinein ändern sollten.

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