Abschied von Arne Birkenstock
Arne Birkenstock ist am 28. November 2025 im Alter von 57 Jahren verstorben. Mit ihm verlieren wir ein engagiertes Mitglied, einen inspirierenden Filmemacher und einen Freund. Er war sowohl Produzent als auch Regisseur, wurde zweimal mit der Goldenen Lola ausgezeichnet und prägte den deutschen Dokumentarfilm nachhaltig. Von 2015 bis 2022 war er mit großer Leidenschaft Vorstand der Sektion Dokumentarfilm. Er entwickelte unterschiedliche Formate, die den Austausch stärkten und die Herausforderungen unserer Branche sichtbar machten. Arne verstand sich als Anwalt des Dokumentarfilms – und lebte diese Haltung mit beeindruckender Klarheit.
Für Arne war die Filmakademie ein wichtiger Ort und und für uns war er ein zuverlässiger Verbündeter. Seine Stimme wird uns und mir sehr fehlen.
Anne Leppin, Geschäftsführerin der Deutschen Filmakademie
Wegbegleiter:innen und Freund:innen nehmen in persönlichen Worten Abschied:
Arnes Tod kam nicht unangekündigt. Er ist sehr offen mit seiner Krebserkrankung umgegangen und viele wussten um seinen Gesundheitszustand. Und doch trifft die Nachricht uns jetzt sehr.
Mit Arne Birkenstock verliert die Sektion Dokumentarfilm und die Deutsche Filmakademie eine gewichtige Stimme. Schon seine Arbeit als erfahrener wie erfolgreicher Regisseur, Autor und Produzent brachte ihm großen Respekt im Kolleg*innen-Kreis ein: Nach zwei Goldenen Lolas für seine Filme „Chandani und ihr Elefant“ (2011) und „Beltracchi“ (2014) produzierte Arne erfolgreiche Kinodokumentarfilme und Hochglanzserien von Regisseur*innen wie Uli Gaulke, Yasemin Samdereli und Nesrin Samdereli, André Hörmann, Lena Leonhardt, Milo Rau, Florian Opitz und Enrique Sánchez Lansch. Arne Birkenstock war weit über den Kreis der Dokumentarfilmschaffenden hinaus in der Filmszene bekannt. Er engagierte sich in zahlreichen Gremien und Jurys – immer laut, immer meinungsstark. Arne argumentierte auch filmpolitisch klar, klug und pointiert. Er bot Orientierung und konnte andere begeistern. Arne war der geborene Netzwerker und setzte sein herausragendes Kommunikationstalent auch acht Jahre als Vorstandsmitglied für die Sektion Dokumentarfilm ein. Erst vor gut zwei Wochen hat sich unsere Sektion einstimmig dafür ausgesprochen, Arne für die Ehren-Lola vorzuschlagen. Er hat sie mehr als verdient und die Anerkennung hätte ihn sehr erfreut. Dazu wird es nun nicht mehr kommen.
Arne war ein geselliger Mensch. Er machte Musik und liebte den Kölner Karneval. Er konnte wirklich gut feiern und Menschen miteinander verbinden und vielleicht war das die Rolle, in der er sich am wohlsten fühlte. Arnes Arbeit aber auch seine unverwechselbare Persönlichkeit haben in der deutschen Kinofilmlandschaft wichtige Spuren hinterlassen. Wir werden ihn sehr vermissen. – Kathrin Lemme und Enrique Sánchez Lansch, Vorstand Sektion Dokumentarfilm
Streitbar und voll Empathie, laut und sensibel, musikalisch und scharfsinnig, Kölner und Weltbürger – es sind viele, scheinbar gegensätzliche Eigenschaften, die mein Freund Arne Birkenstock in sich aufhob. Stur und genau hinhörend… Ich könnte so weitermachen, aber belasse es vielleicht bei dem, was ich beruflich immer am meisten an ihm bewundert habe: Er war beides gleichermaßen: Regisseur und Produzent! In ihm waren diese beiden grundverschiedenen und doch unabdingbar aufeinander angewiesenen Berufe verschmolzen, was ihn unverwechselbar und für uns alle als filmpolitischen Mitstreiter unersetzbar gemacht hat. Ich vermisse Dich. – Martin Hagemann, ehemaliger Vorstand Sektion Produktion
Arne gehört zu den Menschen, die sich einprägen. Ich muss an einen seiner Filme denken, „Chandani und ihr Elefant“, für den er den Deutschen Filmpreis gewann. Die Geschichte eines Mädchens aus Sri Lanka, das unbedingt ein Mahout, eine Elefantenführerin werden will. Aber für Mädchen schien das undenkbar. Und dann wird ein kleiner Elefant für sie zur Prüfung. Dieser feine Film war meine erste Begegnung mit Arne. Ich sah ihn im Kino, dann sah ich den großen, kräftigen Mann auf der Bühne den Preis entgegennehmen und dachte: Wie schön, dass so einer den Filmpreis bekommt. Der hat das Mädchen so still und sensibel begleitet, dass es die Kamera völlig vergessen konnte. Arne war kein stiller Mensch. Der konnte reden und hatte immer etwas zu sagen. Wir trafen uns zufällig in Köln auf dem Bahnhof und hatten eine ganz Bahnfahrt miteinander. Eigentlich wollten wir lesen, aber wir sind nicht dazu gekommen. Es gab so viel zu erzählen, über unsere Projekte, über die Arbeit am Film, über das Leben, die Familie… Wir redeten, als würden wir uns schon sehr lange kennen. Arne war ein leidenschaftlicher Mensch. Und es war eine Freude, ihm zuzuhören, weil er vor Leben sprühte. Genauer kennengelernt habe ich ihn im Vorstand der Filmakademie, in dem wir beide gearbeitet haben. Arne gehört wirklich zu den Menschen, die sich für immer einrasten ins Gedächtnis. Weil er immer eine Haltung zeigte. Weil er seine Meinung äußerte, auch wenn sie unbequem war. Er war spontan, nicht immer wohlüberlegt, manchmal schoss er über das Ziel hinaus, aber er war immer voller Empathie. Wenn Arne einen Raum betrat, erhöhte sich die Temperatur. Ich erinnere mich an ein Essen, zu dem er Freunde in seinen Berliner Lieblingsitaliener einlud. Da war er schon sehr krank. Es war ihm wichtig, über seine Krankheit zu reden, auch über den Tod. Und es war nicht seltsam, gleichzeitig mit ihm das köstliche Essen zu genießen, das reichlich aufgetafelt wurde. Es war ein schöner Abend, an dem wir auch miteinander weinen konnten. Es gibt so viele Erinnerungen. Arne, der Genussmensch, den man gern in seiner Nähe hatte. Ich sehe ihn, Hut auf dem Kopf, Akkordeon vor dem Bauch, und dann spielte er, als gäbe es kein Morgen. Ich glaube, er hat nichts ausgelassen, was er im Leben wollte. Wir konnten daran teilhaben. Danke, Arne. Deine Filme werden bleiben. Und Du natürlich auch, denn, wie gesagt, du gehörst zu den Menschen, die unvergessen bleiben. – Heide Schwochow, ehemaliger Vorstand Sektion Drehbuch
Lieber Arne, Du fehlst.
Du fehlst als Kollege und Freund, als großer und prägender Charakter im deutschen Dokumentarfilm und als Kämpfer für die gute Sache. Wann immer wir eine starke Stimme brauchten, haben wir dich angerufen. Dein klarer Blick, deine manchmal unbequemen Positionen, deine breite Berufserfahrung, deine rhetorische Brillanz und dein internationales Netzwerk aus so vielen Freunden, die dich vermissen werden.
Du konntest über deinen Tellerrand gucken und Du warst unerschrocken. Du hast unbequeme Wahrheiten ausgesprochen. Du hast die Welt des Dokumentarfilms bereichert, aber auch gefordert, wo sie sich selbst zu bequem geworden ist: „Was fehlt, ist künstlerische Ambition, ästhetische Größe“, hören wir dich sagen, und: „Wir müssen größer, nachhaltiger und innovativer denken, wenn wir Filme entwickeln, produzieren und auswerten.“ Das war 2017, und es ist so viel zu tun geblieben.
Arne, was uns tröstet, sind die vielen Spuren, die Du in uns und in der Branche hinterlassen hast; und das Vorbild, das Du als Mensch gegeben hast, der das Leben mit vollen Zügen genoßen und bis zum Schluss ausgekostet hat. – Susanne Binninger und David Bernet, Vorsitz der AG DOK