

Um die Sonderausstellung „Filmkostüme! Das Unternehmen Theaterkunst” der Deutschen Kinemathek gebührend zu beenden, fand am 2. September 2007 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Filmakademie eine Podiumsdiskussion zum Thema „Deutscher Filmpreis für Kostüm- und Szenenbild” statt.


Welchen Beitrag leisten Szenen- und Kostümbild in einem Film eigentlich? Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen beiden Gewerken ab? Diese und andere Fragen diskutierten die Szenen- und Kostümbildner Lucie Bates, Monika Bauert, Uli Hanisch und Bettina Marx. Unter der Moderation von Ralph Eue gelang es ihnen, dem Publikum anhand konkreter Filmbeispiele einen Einblick in ihren beruflichen Alltag zu geben.
Befragt nach der öffentlichen Wahrnehmung ihres Berufsbildes, ist sich Monika Bauert, die z.B. das Kostümbild in DAS BOOT verantwortete, sicher:
„In Deutschland existieren wir gar nicht. Uns gibt es nicht.”
Alle vier sind sich einig, dass die wenigsten Zuschauer eine Ahnung davon haben, was zur Arbeit eines Szenen- und Kostümbildners gehört. Auch die Medien würden nicht dazu beitragen, den Beruf einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bei Filmberichterstattungen würden zwar die Namen aller Schauspieler in den noch so kleinsten Nebenrollen genannt, selten aber die Kostüm- und Szenenbildner. Die Diskussionsteilnehmer haben mit diesem Mangel an Aufmerksamkeit allerdings kein Problem. Monika Bauert versichert:
„Wir leben da gut mit.”
Uli Hanisch wirft ein, dass seitens der Zuschauer detaillierte Kenntnisse über seine Arbeit gar nicht erforderlich seien. Der bereits für zahlreiche Tom-Tykwer-Filme verantwortliche Szenenbildner kritisiert vielmehr, dass Filmschaffende anderer Sektionen oft keinerlei Kenntnisse über diese beiden Gewerke besäßen, diese aber erforderlich seien, um gut und effektiv zusammenzuarbeiten. So hätten einige Produzenten keine Vorstellung davon, welcher Arbeitsaufwand hinter einem Szenenbild stecke und seien daher auch nicht bereit entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Folglich müssten er und seine Kollegen viel Zeit aufwenden, um sich die notwendigen Mittel zu erkämpfen.
Eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Gewerken sei unabdingbar, stimmen alle Teilnehmer überein. Schließlich werde ihre Arbeit später vom Zuschauer als visuelle Einheit wahrgenommen. So müsse vor dem Dreh, meist in Zusammenarbeit mit dem Regisseur, eine gemeinsame Idee gefunden werden, wie Atmosphäre erzeugt und welche Geschichte erzählt werden soll. Diesem Konzept folgen später sowohl das Szenen- als auch das Kostümbild.
Uli Hanisch führt als Beispiel die im Paris des 18. Jahrhunderts angesiedelte Geschichte DAS PARFUM an, in der man mittels des Szenenbildes die schlechten hygienischen Bedingungen deutlich machen wollte. Genau wie die Kulissen sollten bei dieser Produktion auch die Kostüme schmutzig und abgetragen wirken. Die Maskenbildner führten die Idee wiederum durch fettig aussehende Haare, schwarze Fingernägel u.ä. fort.
Um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu gewährleisten, seien Grundkenntnisse über den Beruf der Kollegen absolut notwendig, bemerkt Bettina Marx, Kostümbildnerin von REQIUEM. Diese sollten bereits während der Ausbildung an den Hochschulen vermittelt werden.
Monika Bauert, die sich wie alle anderen Gesprächsteilnehmer für den Nachwuchs engagiert, ist überzeugt, dass es neben Kreativität sowohl handwerkliches Geschick als auch einer hohen Belastbarkeit bedarf, um in ihrer Branche erfolgreich zu sein. Uli Hanisch glaubt hingegen, dass vor allem die Begeisterung für das Kino und der Wunsch, Geschichten zu erzählen, entscheidend sind:
„Diese Designerbagage, die da rumsitzt und sich darauf freut eine Tapete aussuchen zu können – das ist es halt auch nicht.”
Bettina Marx findet, dass es ebenfalls wichtig sei, neben dem Studium bereits so viele praktische Erfahrungen wie möglich zu sammeln. Dies wäre für den heutigen Nachwuchs allerdings sehr schwer, da man ihnen als Anfänger kaum die Chance böte, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig zu arbeiten.
Wie ihre Kollegin Bettina Marx unterrichtet auch Lucy Bates Studenten ihres Faches. Dabei ist es ihr ein besonderes Anliegen, dem Nachwuchs zu vermitteln, wie der Berufsalltag tatsächlich aussieht.
Zwar verdiene man mit der Theaterarbeit weniger Geld, erzählt Bettina Marx, dafür sei sie aber wesentlich diffiziler als die Ausstattung eines Filmes. So könne sie mit einer Vielzahl von anderen Gewerken zusammenarbeiten, z.B. Hutmachern, Putzmachern oder der Rüstmeisterei. Bei Dreharbeiten seien die Bedingungen aufgrund des enormen zeitlichen und finanziellen Drucks oft sehr schwierig und ließen es kaum zu, wirklich sorgfältig und seinen Vorstellungen entsprechend zu arbeiten.
Lucy Bates, von der das Kostümbild bei ALLES AUF ZUCKER stammt, ergänzt, dass man durch die langen Probezeiten bei der Mitarbeit an einer Bühnenproduktion wesentlich stärker an Details arbeiten könne. Für sie sei es ein Luxus, zwischen beiden Welten wechseln zu können.
Monika Bauert beschreibt Theater- und Filmproduktionen als zwei vollkommen unterschiedliche Arbeitsbereiche. Sie schätzt wie ihre Kolleginnen die ausführlichen Proben am Theater, die es zuließen zu experimentieren, auszuprobieren und ständig zu verbessern. Beim Film sei oftmals kaum Zeit, um vor den Dreharbeiten Kostümproben stattfinden zu lassen. Dafür habe man im Gegensatz zum Theater jedoch eine Vielzahl von Kameraperspektiven zur Auswahl und nicht nur die Totale wie auf der Theaterbühne.
Obwohl ihre Leistung im fertigen Film vom Zuschauer kaum bewusst wahrgenommen wird und nur wenig öffentliche und mediale Anerkennung findet, wissen alle vier Podiumsteilnehmer, wie wichtig ihre Arbeit ist. So resümiert Uli Hanisch:
„Ohne uns, die wir die Personen, die Welten und Räume in denen sie sich darstellen können, überhaupt herstellen, gibt's keinen Film. Das ist doch das, worum's die ganze Zeit geht in der Wahrnehmung.”
Fotos: © 2007, Marian Stefanowski, Monika Bauert & Jan Roeder / Deutsche Filmakademie
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