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LOLA VISIONEN 2010 – Schnitt

"Ich dachte bis vor 'ner Stunde, der Regisseur kommt und schnippschnapp, los geht's … ich habe eben erst gelernt, dass der Film im Schneideraum von Ihnen künstlerisch völlig neu hergestellt wird."

Andrea Mertens, Andreas Radtke, Kyra Scheurer, Monika Willi und Hansjörg Weißbrich

Die Kunst im Dunklen

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Samstag, 10. April 2010: Eine Premiere. Vier Schnittmeister treffen in der ASTOR–FIlmlounge zu einem Gespräch zusammen: Andrea Mertens, Monika Willi, Hansjörg Weißbrich und Andreas Radtke. Sie alle sind für den Deutschen Filmpreis nominiert. Andrea Mertens für DIE FREMDE von Feo Aladag, Monika WIlli für DAS WEISSE BAND von Michael Haneke, Hansjörg Weißbrich für STURM von Hans-Christian Schmid und Andreas Radtke für DIE TÜR von Anno Saul.

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f.e.S.i.* Die Kunst der Montage findet in vielerlei Hinsicht im Dunkeln statt – der beste Schnitt ist oft der, den man nicht wahrnimmt. Denn es geht nicht um den rein physikalischen Vorgang des Schnitts (der mittlerweile beinahe ausschließlich am Computer stattfindet), sondern vielmehr um den dramaturgischen Umgang mit dem gedrehten Material. Die Auswahl der besten Schauspielerleistungen, außerdem die für den Augenblick des Films geeignetste Perspektive der Kamera, all das sind Aufgaben des "Cutters", des Schnittmeisters. Zuletzt müssen oft Kürzungen vorgenommen werden, und diese Kürzungen müssen Verdichtungen sein. Für all das muss der Editor über einen eigenen künstlerischen Zugang zum Film verfügen, der ihn neben dem Regisseur, dem Kameramann und natürlich den Schauspielern zu einem der wichtigsten Kreativen des Teams macht.

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Der interessanteste Aspekt einer Veranstaltung wie den LOLA VISIONEN ist oft erst im Nachhinein ersichtlich: Wenn nämlich die Unterschiedlichkeit der Arbeitsweisen einen Schluss zulassen auf das, was im Kern der Arbeit wirklich wichtig und möglicherweise übergeordnet gültig ist. Immer wieder weisen Editoren darauf hin, einer der wesentlichen Aspekte ihrer Arbeit sei Musikalität und Rhythmusgefühl. Ich denke, noch weit davor bedarf es einer Fähigkeit zur Entwicklung eines eigenen Blicks und einer eigenen Vision von dem, was schlussendlich der Film sein wird – und das gepaart mit einer gewissen Offenheit, da ein Cutter eben nur mit fremdem Material umgehen kann. Uta Schmidt, die vor einigen Jahren für den Schnitt von VIER MINUTEN nominiert war, hat in einem Gespräch gesagt, dass es oft auch einfach Glück ist, wenn das vorhandene Material wirklich gut ist. Dazu zählen die Kamera, Schauspielarbeit, Musik und naturgemäß vor allem die Geschichte des Films selbst.

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Diese Geschichte wird also im Schneideraum aus dem gedrehten Material herausgearbeitet; teilweise in deutlicher Abwandlung des ursprünglich notierten Drehbuchs. Die Wirkung der Szenen lässt sich eben nicht bis ins kleinste Detail vorplanen. Nach den Ausführungen von Stefan Arndt am Vortag (siehe hier) und Monika Willi mag Michael Haneke eine Ausnahme darstellen – das Drehbuch ist auch im Schnitt genau eingehalten; es gibt lediglich eine Umstellung und einen Strich (und das ist so gut wie nichts). Dennoch: Wann genau steigt man in eine Szene ein? Wann steigt man aus? Wann sehen wir die Reaktion, während wir den Partner noch voice over sprechen hören? Die Entscheidungen mögen hier unauffälliger sein – unaufwändiger und gar unwichtiger sind sie keinesfalls. 

* "falls eSie interessiert", das bedeutet: Falls Sie nicht ohnehin über eine detaillierte Kenntnis über die Vorgänge beim Schnitt verfügen und durch diese Ausführungen nur gelangweilt würden.

(Text und Video: Malte Kreutzfeldt)

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