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Dieter Kosslick

Der deutsche Film – Quo Vadis oder Ben Hur

„Dem deutschen Film geht's gut. Er ist gut aufgestellt, wie man so schön sagt. Es gibt genügend Filmförderung, Taxbreaks und Geld. Es gibt die Deutsche Filmakademie, den Deutschen Filmpreis, eine Flut von Ehrungen, Preisen, und Professorentiteln. Die Filmschulen und Schüler sind so gut wie nie. German Films hat alle Hände voll zu tun, allen Ausländern unsere Filme zu zeigen. Oscars gibt es natürlich auch und Diskussionen auf allerhöchstem Niveau über den Deutschen Standort und Shiny Berlin wie just in New York. Grandiose Schauspielerinnen und Schauspieler, Regisseure, Produzenten und Cinematografen, eloquente Funktionäre und Lobbyisten Clubs. Also: was will man mehr? Möglicherweise Zuschauer. Aber das wollte man immer in der kurzen 100-jährigen Filmgeschichte.

Vier Anregungen möchte ich trotzdem geben:

1. Frauenkommissionen zur Beziehungsklärung

Zur gerade erwähnten Novellierung des Filmförderungsgesetzes eine Bitte an die Film und Fernsehgemeinde: Der Freund der Finanzierung soll und muss nicht der Feind der Fantasie sein. Die Beziehung Fernsehen-Film bedarf einer Klärung. Sie muss keine Liebesbeziehung sein, aber eine Partnerschaft, wo jeder sagt, was er möchte und was er dafür geben möchte.

Eine coole Partnerschaft, von der beide profitieren. England und Frankreich haben es vorgemacht. Vorschlag: Es sollte eine Beziehungsklärungskommission eingerichtet werden mit drei Vertretern von jeder Seite. Jeweils zwei Vertreter müssen Frauen sein. Vielleicht schaffen sie den Durchbruch, den die jahrelangen maskulinen Verhandlungen leider nicht erreicht haben.

2. Lang ist nicht groß

Die kurzen Filme sind zu lang, die langen Filme werden immer länger. Nicht nur in Deutschland ist das Phänomen zu beobachten, weltweit werden die Filme immer länger. Size matters, aber size meint nicht immer Länge, sondern auch Größe. Der Zuschauer mag ganz selten 2,5 Stunden nicht aufs Klo gehen können. Und auch bei den allerlängsten Filmen – wenn wir schon bei ‚Quo vadis’ sind – können sich die meisten noch sehr gut an das ‚11-minütige Wagenrennen von Ben Hur’ erinnern, an die restlichen Stunden meines Lieblingsfilms nicht mehr so genau.

Ich verstehe diese langen Fassungen als Reaktion auf die Clips, Schnipsel, Internet, My Face, Your Space Visionen, auf Rezeptionsverhalten von Leuten, die sich alle Teile von Heimat auf der Armbanduhr unter der Bettdecke anschauen. Aber Achtung, Länge war noch nie die optimalste aller Lösungen.

3. Ladeleiste

Zum Schluss: Im Ausland nicht übers Filmland Deutschland schimpfen, z.B. wie schwierig es ist, hier Filme zu drehen. Wenn Kritik schon sein muss, biete ich bessere Geschichten an, wie man sein Heimatland im Ausland schlecht reden kann. Zum Beispiel das Thema ‚Ladeleiste’: In Deutschland haben wir per Gesetz ‚freie Taxiwahl’. Jeder kann in das Taxi seiner Wahl steigen und muss nicht das erste in der Schlange nehmen. Das gilt aber nicht an den Flughafenausgängen. Dort wird man erst zur überdachten ‚Ladeleiste’ geschickt, ab dort darf man dann wieder frei auswählen. Diese Geschichte gut erzählt, sichert nachhaltige Lacher, auch im Ausland.

Im Ausland fühlen sich viele Subventionsgedopte zur Inlandskritik verpflichtet. Das versteht kein Ausländer. Denn die drehen hier wie die Weltmeister ihre Filme, finden ‚Germany great’ und ‚Berlin cool’ und ‚the softloans are very welcome’.

4. Berlinale: Alles ist gut.”

Dieter Kosslick, 17.11.2007

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