
„Eins ist klar. Ich werde Namen nennen.
Geiern? Na gut. Lange darüber nachgedacht, nichts vorbereitet und eigentlich auch wenig zu sagen. Das Einzige, was ich dazu sagen kann, ist: Ich hasse, dass wir dieses verdammte Identitätsproblem haben, was den deutschen Film angeht – und überhaupt deutsch sein. Weil wir wissen gar nicht genau, was das eigentlich heißt.
Wir wollten eine Zeit lang so ein bisschen wie Franzosen sein. Um die dreißig mit ein bisschen Problemen und noch Frauen dabei und Männer. Und die sich so unterhalten, wollen sie nun noch ein Kind haben oder nicht. Und in schönen Lofts wohnen, mit geilen Autos fahren, am besten Cabrio und rot mit einer geilen Kamerafahrt und so. Wir wollen so ein bisschen locker und leicht sein, und letztendlich sind wir das nicht.
Das sind wir nicht. Okay, das haben wir lange versucht, das hat eine Zeit lang geklappt, vor uns selbst auch geklappt. Wir haben wirklich gedacht, wir wären es, wir würden in einem Loft wohnen, wir hätten ein rotes Cabrio, wir haben diese Probleme um die Dreißig mit den Kindern. Ob man nun noch welche haben will oder doch nicht und ob man sich das überhaupt leisten kann. Und außerdem ist man ja verliebt und geht in einen Brunnen und ist so ein bisschen betrunken und es regnet und alles ist toll und...
Das hat nicht lange angehalten, finde ich. Ich hatte schon immer Depressionen beim Lesen solcher Bücher. Und ich war immer super froh, wenn es mal so Ausnahmen gab, die aber auch wirklich Ausnahmen waren. Die letzte Ausnahme, die ich erlebt habe, war für mich SCHERBENTANZ. Der startete mit, glaube ich, zwanzig Kopien. Davon kamen, glaube ich, wirklich nur zehn raus. Ich glaube, die anderen haben sie gar nicht gemacht. Der ist total untergegangen. Es hat sich eigentlich nicht wirklich jemand dafür interessiert. Und damit meine ich nicht das Publikum, sondern eigentlich jemand, der vielleicht gesagt hätte: Wir zeigen das überhaupt mal den Leuten. Wir machen jetzt nicht zehn Kopien, sondern wir hauen das Ding mal genauso raus wie einen von den Filmen, wo man im roten Cabrio sitzt und in diesen Lofts wohnt.
Und da bin ich sehr traurig gewesen letztendlich, dass wir es nicht schaffen, zu dem zu stehen, was wir sind. Wir sind eben nicht wie die Franzosen. Wir sind natürlich auch nicht wie die Amerikaner. Nach dem Krieg wollten wir das natürlich gar nicht mehr sein. Davor kann ich mich noch an die Phase erinnern, wo wir auch ein bisschen wie die Amerikaner sein wollten.
Aber wir sind nun mal deutsch. Wir sind auch ganz schöne Spießer. Und wir sind Biedermeier. Und wir sind autoritätshörig. Und wir sind paragraphenverliebt. Das habe ich eben gerade ein bisschen erlebt, als wir die Mitgliederversammlung hatten. Das ist auch verdammt wichtig, aber darüber kann man auch lachen, darüber darf man auch lachen und darüber darf man auch Filme drehen. Und das fände ich klasse, wenn wir das machen würden.”
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