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Corinna Harfouch



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„Ach, ist das gemein. Ich bin hier die einzige Frau, ist Euch das aufgefallen? Das ist so gemein. Ich habe auch gar keine Ahnung.

Ich habe über diese Frage nachgedacht und dann fiel mir ein: Ich kenne ihn gar nicht, den deutschen Film. Ich weiß es nicht. Ich kenne ein paar deutsche Filme, aber ich habe keine Ahnung, wer der deutsche Film ist. Ich weiß es einfach nicht. Und das ist vielleicht das Problem. Und auch ein guter Grund, eine Akademie zu gründen. Von der ich mir verspreche, dass ich es endlich mal erfahre. Was ist denn der deutsche Film? Ich weiß es nicht. Als Schauspielerin erfährt man so etwas nicht. Keine Ahnung.

Was hasse ich am deutschen Film? Nichts. Ich hasse nicht. Als ich mit dieser Frage konfrontiert wurde und sozusagen schwanger mit dieser Frage auf die Straße rannte vor Verzweiflung, weil ich nach einer Antwort gesucht habe, war ich vor allem belastet mit der Frage nach dem Hass. Und ich befand mich im falschen Film. Normalerweise hassen wir Deutschen ja schnell etwas, was wir nicht kennen. Und das fiel mir dabei auf.

Also wir hassen, was wir nicht kennen, weil es anders ist; und wir lieben es, zu überleben, weil das nicht anders geht. Und dass wir hier von so viel Reichtum umgeben sind, der dem Glück so wenig nützt. Und dass immer, immer mehr die Frage nach dem Geld steht und nicht nach Reichtum an Gefühlen, Ideen, Geist, Individualität. Das macht uns krank, finde ich.

Gibt es den deutschen Film? Wie kommen wir dazu? Wie entsteht der deutsche Film? Durch Sehnsucht nach Zwängen? Was bleibt vom Charme und dem Charme einer jungfräulichen Idee. Ist das einzige Maß vorher, wieviel ein Film nachher einspielt? Wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Der Film oder der Zuschauer? Wenn der Zuschauer ausbleibt, war dann der Film schlecht? Aber wenn der Zuschauer ausbleibt, weiß er gar nicht, was er verpasst hat. Nur, das kann sich keiner leisten.

Wo ist unsere Identität? Ich finde, sie ist in unseren Zweifeln und in unserem Talent zum Neid, zum Unglücklichsein, zur Müdigkeit bei blauem Himmel, zum Selbsthass. Und das ist deutsch, finde ich. Kommt mit Sicherheit aus dem Riss in unserer Geschichte, das wissen wir, und auch in unserer Filmgeschichte. Wir waren mal ein großes Filmland. Und wir sind kein großes Filmland mehr und jeder weiß es, die ganze Welt weiß das. Und alle sind bekümmert darüber und es macht einen nur hilflos. Wie haben die das gemacht damals und wieso können wir das nicht mehr?

Eine neue Akademie hat die Chance, das gemeinsam zu thematisieren. Das, was alte Akademien und Verbände nicht mehr wollen. Ein Zentrum für zerstreute, versprengte, talentierte Spezialisten. Ein Austausch von gegenseitiger Inspiration zum Bündeln von Interessen. Auf dass sich die echten und die falschen gut mischen. Wir haben vielleicht nur ein paar gute, wirklich frische, gute Jahre in so einer Akademie, bevor wieder alles in Institutionen und Systematisierungen erstarrt. Wir sollten sie nutzen und dann wieder etwas anderes gründen. Wir sind eine Insel und verantwortlich dafür, dass das Festland sich als Insel vorkommt. Das ist vielleicht unsere Aufgabe. Identität. Ich sehne mich nach Identität.”

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