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Martin Steyer und Peter R. Adam::beim LOLA FESTIVAL 2012
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Florian Gallenberger



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„Ja, hallo. Was hasse ich mich..., was hasse ich am deutschen Film? Geht schon sehr freudisch los hier.

Ich habe mich gefragt, was ich überhaupt hasse, um zu finden, was ich am deutschen Film hassen könnte. Und mir ist spontan eingefallen: Dummheit und Selbstgefälligkeit. Davon sind wir ja weltpolitisch und politisch ziemlich umgeben und manchmal leider auch im Kino. Das ist bei einem ausländischen Film genauso hassenswert wie bei einem deutschen, aber vielleicht berührt es einen bei einem deutschen Film doch mehr.

Ich finde, es ist sehr wenig Kenntnis und sehr wenig Bewusstsein und auch sehr wenig Interesse dafür da, was das Kino eigentlich leisten könnte, welche Chance das Kino ist und welche Chance jeder Film in sich birgt. Und dass, wenn sie nicht genutzt wird, es eine vergebene Chance ist.

Um das ein bisschen zu verdeutlichen, möchte ich ein Beispiel bringen aus der Geschichte der Mongolei. Das hat vielleicht jetzt nicht direkt etwas mit dem deutschen Film auf den ersten Blick zu tun, aber man wird sehen, es hat mehr damit zu tun, als man denkt.

Die Mongolei wird ja hauptsächlich von Nomaden bewohnt, die mit ihren Tieren und in den Jurten mit den Jahreszeiten durchs Land ziehen. Und in jeder größeren Nomadentruppe gibt es jemanden, der eine herausragende, der eine sehr wichtige Funktion hat – das ist der Geschichtenerzähler. Der lebt in einer geräumigen, schönen Jurte, sodass sich am Abend die Angehörigen der Gruppe in dieser Jurte versammeln können und den Geschichten zuhören, die er zu erzählen hat.

Die kommunistische Revolution ist Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts in die Mongolei geschwappt und wollte die Mongolei zu einem kommunistischen Land machen. Einer der ersten Schritte, die unternommen wurden, war, die Geschichtenerzähler zu verbieten. Die wurden deportiert und mundtot gemacht, umgebracht. Um eine Gesellschaft aufzusprengen, eine feste, gewachsene Struktur zu sprengen, wurden ihr die Geschichten weggenommen.

Wir sehen, dass man die Identität einer Gesellschaft brechen kann, indem man den Menschen die Geschichten nimmt. Und daran sehen wir auch, dass das Menschsein mit einem Bedürfnis kommt, gewisse Fragen zu stellen, sich mit gewissen Themen auseinanderzusetzen. Und dass das Kino ein Ort ist, an dem man sich mit diesen Themen auseinandersetzen kann. Und dass wir die Menschen sind, die diese Filme machen, die diese Auseinandersetzung exemplarisch für die Menschen, die die Filme sehen, durchführen müssen.

Das ist eine Chance, das ist eine Pflicht, das ist nicht immer einfach. Das sind Fragen, auf die es eigentlich keine Antworten gibt, auf jeden Fall keine endgültigen, die aber trotzdem gefragt werden müssen. Und diese Pflicht des Geschichtenerzählens, das ist etwas, worüber wir uns bewusst sein müssen. Das sind Formulierungen, die getroffen werden müssen – die von uns getroffen werden müssen. So wie jeder eben kann, aber eben mit Bewusstsein.

Und so muss der Film Diskurs sein. Ich will keine Filme, die dröge, langweilig und philosophierend sind, anpreisen. Aber der mongolische Geschichtenerzähler könnte auch nicht vor einer leeren Jurte erzählen. Das heißt, man muss natürlich einen Unterhaltungswert schaffen. Aber der Unterhaltungswert ist nur das Vehikel für eine geistige Auseinandersetzung, die hinter dem Film stehen muss und dem Publikum über den Genuss der Unterhaltung nahe gebracht werden kann.

Wir müssen verstehen, dass wir Filmschaffenden kein Luxus sind, den sich ein reiches Industrieland leisten kann. Sodass die Filme dann sozusagen als ein Bonus gemacht werden, wenn alles andere bezahlt ist. Sondern wir sind eine ganz grundlegende, sinnstiftende Säule dieser Gesellschaft. Wer sich dieser Pflicht entzieht oder wer das nicht weiß, der versteht seine Aufgabe nicht. Und ich finde, was wir machen sollten, ist, diese Pflicht annehmen in vollem Bewusstsein und den Hass gegen den deutschen Film umdrehen und uns mit Liebe den Geschichten zuwenden, die wir erzählen können und das so gut machen, wie wir können. Danke.”

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