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Bernd Eichinger



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„Ja, Oskar, Du hast es Dir leicht gemacht. Oh Mann, oh Mann. Ich bin hier als Schlussredner aufgerufen worden. Es war nicht meine Idee. Es ist auch gar nicht so einfach, wenn man sich das jetzt alles so anhört, was die da gesagt haben. Ich hebe jetzt einfach zum dialektischen Sprung an. Ich hoffe, dass ich nicht wie ein Panther starte und wie ein Bettvorleger lande.

Als ich die Aufgabe bekommen habe, darüber nachzudenken, was ich am deutschen Film hasse, habe ich die Frage gestellt, was ich eigentlich an ihm liebe. Und da ist mir nichts eingefallen. Mir ist ernsthaft nichts eingefallen. Ich gebe zu, dass ich ab und zu ganz gern deutsche Filme sehe und dass es auch talentierte Menschen gibt – über einige ist ja schon gesprochen worden –, aber wenn ich so in toto vom deutschen Film..., also über den deutschen Film nachdenke, muss ich sagen: Ich liebe ihn nicht.

Dann habe ich darüber nachgedacht, irgendwann gab's doch mal eine Zeit... Da kamen mir dann so Namen. Also ich habe sie mir jetzt mal aufgeschrieben, so wie: Murnau, Fritz Lang, Sternberg, Strohheim – ich nehme jetzt einfach die Österreicher dazu – Billy Wilder oder Lubitsch zum Beispiel. Ich bin dann auch noch auf Bernhard Vicki gekommen, Helmut Käutner. Dann bin ich so auf Leute gekommen wie Marlene Dietrich, O.W. Fischer, Lilo Pulver. Dann habe ich mir so gedacht: Oskar Werner, den Max Schell und die Maria. Dann bin ich so auf Heinz Rühmann gekommen und Hans Moser.

Und dann ist es plötzlich irgendwie so weggebröckelt. Dann kam ich noch so auf Hildegard Knef und Romy Schneider und Senta, entschuldige natürlich. Aber so insgesamt haut das dann nicht mehr hin. Und dann habe ich mir gedacht: Was ist das, was ist das? Ich bin ja auch schon seit 35 Jahren dabei.

Und dann ist mir eine Sache aufgefallen, die ich hasse. Eine hasse ich wirklich. Das ist, dass ständig immer alle Leute beleidigt sind im deutschen Film. Also es ist immer ständig irgendjemand beleidigt. Weil er kein Geld bekommt, weil er keine Verleiher... oder weil er irgendwie... bei einem Filmpreis, den er nicht bekommen hat, sondern ein anderer ihn bekommen hat. Dass es so kleinkariert daherkommt, dass es mir manchmal den Magen einfach umdreht. Und ich denke jetzt, man muss sich da auch mal selber anpacken und sagen, man kann nicht ständig ausgehen und anderen Leuten oder Institutionen die Schuld geben. Wahrscheinlich ist es wirklich ein Identitätsproblem... Jetzt fange ich auch schon damit an.

Dass nach einer Phase, die wir natürlich alle lieber nicht mitgemacht oder lieber überhaupt nicht in unserer Geschichte hätten, die natürlich einen unglaublichen Kahlschlag hinterlassen hat. Und wir nach dem Zweiten Weltkrieg selbstverständlich unglaubliche Schwierigkeiten hatten, irgendwo wieder anzusetzen und, wie soll ich sagen... Ich sage es noch mal und das meine ich jetzt ganz ernst, eine Identität zu kriegen und auch ein Selbstbewusstsein und einen Selbststolz. Ich denke, dass das immer noch ein Problem ist.

Also für uns war es ein Problem. Ich war 1968 gerade mal zwanzig Jahre, und ich habe natürlich wie fast jeder in dem Alter einen tierischen Krach mit meinen Eltern bekommen. Jeder hat damals Krach mit seinen Eltern bekommen, weil es eben genau die Generation war, die aus dem Krieg kam. Aber ich muss auch sagen, nicht nur, dass ich Krach bekommen habe, ich habe einfach das Problem gehabt, mich zu definieren. Ich war nicht stolz auf mein Land, wie es sogar die Franzosen können oder die Amerikaner sowieso, ohne lange darüber nachzudenken. Die sind das einfach.

Aber wir haben da ein massives Problem. Und ich glaube, dass aus diesem Problem eine falsche Unruhe kommt. Wir entschuldigen uns eigentlich immer schon im Vornherein über das, was wir vielleicht irgendwann machen oder dann doch nicht machen. Das ist immer so ein Entschuldigungskomplex und so eine grausige ‚political correctness’, die mich ankotzt.

Was ich am deutschen Film hasse ist einzig, dass man auch so einsam ist, dass man sich einsam fühlt und dass man sich eigentlich nicht einsam fühlen sollte. Wenn man Dinge tut, die extrem sind und die sehr an die Nerven gehen und die uns alle Tag und Nacht beschäftigen, würde man eigentlich gerne eine Heimat haben. Und ganz am Ende, ohne dass ich jetzt pathetisch klingen will, ist es doch unser täglicher Kampf gegen die Profanität der Welt. Und auch die Profanität des Wertesystems. Und ich habe mich für die Akademie eingesetzt, damit wir eine Familie kriegen, in der wir gemeinsam dagegen ankämpfen können.”

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