„Ich bin der Ansicht, man kann über Film nur bedingt reden – man muss ihn machen. Kino-Machen ist eine Kunst für sich, ob Kommerz oder nicht. Ich denke, ich mache immer große Kunst, außer es misslingt mir – was auch passiert –, aber ich strebe die Kunst zumindest an. Manchmal kommt auch ein verkleckstes Bild raus, aber wie wir wissen, ist das sogar großen Malern so gegangen.
Ich habe mir in meinem Leben noch nie Gedanken darüber gemacht, ob das, was ich mache, Kunst oder Kommerz ist – ich wüsste auch gar nicht, wie das geht. Wenn mir einer sagen würde: So wird ein kommerzieller Film gemacht, ja, dann würden wir ihn doch alle machen, dann würden wir irrsinnig viel Geld einstecken und den Rest des Lebens auf den Bermudas verbringen. Und ich glaube auch, dass die großen Hollywood-Studios sehr froh wären, wenn sie so etwas wie so eine Art Formel hätten. Aber wir wissen, so einfach ist das nicht. Wir können eigentlich nur die Filme machen, die wir machen – andere können wir nicht machen.
Ich kann auch nicht sagen, ich weiß da mehr drüber, nur weil ich vielleicht fünf Filme mehr gemacht habe. Für mich ist es heute noch eine schwierige Denkaufgabe, mir zu überlegen, wo jetzt der gemeinsame Nenner ist zwischen jemandem, der den Film in New York sieht oder in Südafrika oder in Japan. Wo ist da der gemeinsame Nenner? Das geht gar nicht, niemand kann sich in diese Situation versetzen. Ich kann mich ja nicht einmal in einen Rheinländer hineinversetzen!
Ich bin ein Bayer, ich kann über bayerischen Humor herzlich lachen, wo mich andere Leute anschauen wie eine Mauer. Man kann wieder nur sagen, jeder macht halt so seinen Film. Den macht er bestimmt mit großem Enthusiasmus, er macht ihn auch sicherlich mit der Hoffnung, dass möglichst viele Leute reingehen. Schon aus reiner Eitelkeit will er ja nicht einen Film machen, den keiner sehen will. Und ansonsten gibt es da kein Pamphlet, nach dem Motto: Wir machen jetzt nur noch wilde Filme!
Howard Hawks oder John Ford, Raoul Walsh oder Hitchcock – das waren alles Leute, die im Jahr fünf, sechs Filme gedreht haben. Wie geht so etwas? Indem sie sie gedreht haben. Die haben die Besetzung bekommen, haben die Filme gedreht, sind meistens nur beim Schneiden vorbeigekommen, waren schon im nächsten Film. Man hat immer gedacht, das sind Handwerker, knallharte Burschen, die ziehen halt diese Filme nacheinander durch.
Fünfzig Jahre später ist man darauf gekommen, dass das überhaupt nicht stimmt, dass jeder dieser Leute für sich gesehen ein Genie war. Die Zeit arbeitet für ein paar Leute, und die Zeit arbeitet gegen ein paar Leute. Es ist ja auch interessant zu sehen, von welchen Filmen man schon fünf Jahre später nicht mehr spricht! Und von welchen man noch spricht. Nach zehn Jahren ist das noch interessanter.
Und der größte Filmemacher, den ich noch kennengelernt habe, der Fassbinder, was hat der gemacht? Der hat einen Film nach dem anderen gedreht. Das war dem vollkommen egal, ob da das Fernsehen dabei war oder nicht, ob er für den Film eine Million bekommen hat oder nur fünfhundert, völlig wurscht. Das war für mich ein Mann des Kinos. Das ist es, was ich meine: Es liegt an uns.
Eine Anekdote muss ich ihnen erzählen. Die Filmhochschule war für mich lebensnotwendig. Ich war überzeugt davon, dass ich irres Talent hab', und dann habe ich wirklich dieses Privileg gehabt, da aufgenommen zu werden. Und dann habe ich zum ersten Mal so eine Kamera in die Hand bekommen. Mann, ich war sowas von… wollte das so haben und so… wusste alles.
Und dann haben sie mir das entwickelt, und dann sah das aus wie, Entschuldigung, wie Scheiße. Und ich dachte, wieso sieht das aus wie Scheiße? Wieso sieht das nicht aus wie bei all' diesen Filmen, die ich so kenne? The Big Sky? (>???) Wieso sieht das nicht so aus? – Dann kommt man natürlich darauf, dass das auf zweieinhalbtausend Metern Höhe war, der Himmel 'runter, beste Sonne, Licht, Gegenlicht. Lernt man alles in der Filmhochschule.
Wo der Spaß aber völlig aufhört: Es kann unmöglich so sein, dass in der Vorauswahl der Filme, die dann überhaupt erst für eine Nominierung vorgeschlagen werden können, pro Jahr die populärsten Filme einfach rausgeschossen werden. Das ist ein absoluter Skandal. Es geht nicht um Nominierungen, es geht darum, aus diesem Wust von Filmen das (> Was?) rauszufiltern, damit sich nicht alle Mitglieder alle siebzig Filme anschauen müssen. Aber dann gibt es da die wilden Kicker, die sagen: Der nicht! – bumms. Da steckt ein System dahinter, und dieses System muss raus.”
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