Am 10. Februar 2008 lud die Deutsche Filmakademie in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste zu einer Diskussion zum Zustand des deutschen Films ein. Als Grundlage diente der Text „Hätte ich das Kino!” von Carlo Mierendorff aus dem Jahre 1920. Hans-Christoph Blumenberg, Kurator der Veranstaltung, führte schon vorab mit einem Essay im Tagesspiegel in das Thema ein. Senta Berger las Auszüge aus dem Manifest von Mierendorff.

„Wenn es überleben will, muss sich das Kino immer wieder neu erfinden. In krisenhaften Zeiten sind radikale Ansätze gefragt, lakonische Feststellungen, starke Sätze, die von Aufbruch und Ausbruch handeln. Einige Teilnehmer unseres kleinen Experiments haben mich gefragt: Aber was ist genau das Thema? Und ich habe ihnen gesagt: Ihr seid das Thema – eure Leidenschaft für unser Metier, eure Hoffnungen für das Kino.”
„[...] Jetzt aber ist alles verbravt, arm, phantasielos. Instinktverlassene Regisseure verstehen kaum noch mit den Dingen zu jonglieren, sie durcheinanderzuwirbeln. Ihr armseliges Repertoire dreht karusselhaft lahm vorbei, nicht einmal ausschweifend im Erlaubten, immer gesetzt. Immer siegt jetzt die Polizei, nie der Verbrecher! [...]”
gelesen aus: „Hätte ich das Kino!” von Carlo Mierendorff
„Noch haben wir das Kino, also nichts wie hinein und lasst es dunkel werden, damit sich unsere Augen öffnen. Denn die deutsche Filmgeschichte ist besser als ihr Ruf! Und die deutschen Filme sind es doch sowieso, oder spätestens ab morgen, wenn alle guten Vorsätze von heute erfüllt werden.”
„Man könnte ja damit anfangen, dass man diese zwei Begriffe tilgt, weg damit: ‚Arthouse’ und ‚Mainstream’! Man könnte ja die Worte vertauschen: ‚Mainhouse’ und ‚Artstream’, dann wären die Kritiker erst mal ein bisschen verwirrt. Und dann könnten sie das auch nicht mehr so einfach in eine Schublade stecken. Und unsere Leidenschaft hätte dann freie Bahn.”
Videoaufzeichnung: © 2008, Malte Kreutzfeldt / Deutsche Filmakademie
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