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Hätte ich das Kino!

Wo bleibt die Leidenschaft im deutschen Film?

Am 10. Februar 2008 lud die Deutsche Filmakademie in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste zu einer Diskussion zum Zustand des deutschen Films ein. Als Grundlage diente der Text „Hätte ich das Kino!” von Carlo Mierendorff aus dem Jahre 1920. Hans-Christoph Blumenberg, Kurator der Veranstaltung, führte schon vorab mit einem Essay im Tagesspiegel in das Thema ein. Senta Berger las Auszüge aus dem Manifest von Mierendorff.

Hans-Helmut Prinzler, Hans-Christoph Blumenberg, Doris Dörrie, Til Schweiger, Ralph Schwingel, Bernd Eichinger, Natja Brunckhorst, Matthias Elwardt, Jasmin Tabatabai | Foto: © 2008, Florian Liedel / Deutsche Filmakademie


Hans-Christoph Blumenberg

„Wenn es überleben will, muss sich das Kino immer wieder neu erfinden. In krisenhaften Zeiten sind radikale Ansätze gefragt, lakonische Feststellungen, starke Sätze, die von Aufbruch und Ausbruch handeln. Einige Teilnehmer unseres kleinen Experiments haben mich gefragt: Aber was ist genau das Thema? Und ich habe ihnen gesagt: Ihr seid das Thema – eure Leidenschaft für unser Metier, eure Hoffnungen für das Kino.”


Senta Berger

„[...] Jetzt aber ist alles verbravt, arm, phantasielos. Instinktverlassene Regisseure verstehen kaum noch mit den Dingen zu jonglieren, sie durcheinanderzuwirbeln. Ihr armseliges Repertoire dreht karusselhaft lahm vorbei, nicht einmal ausschweifend im Erlaubten, immer gesetzt. Immer siegt jetzt die Polizei, nie der Verbrecher! [...]”
gelesen aus: „Hätte ich das Kino!” von Carlo Mierendorff


Natja Brunckhorst

„Kino kommt vom Stummfilm, Fernsehen kommt vom Radio. Das Fernsehen fordert – zu Recht und weil es seinem Wesen entspricht – immer mehr Worte. Wir werden dauernd genötigt, immer mehr Worte in die Bücher zu schreiben, als es einem guten Kinofilm gut tut.”


Doris Dörrie

„Ich plädiere dafür, dass wir doppelköpfig bleiben, die doppelköpfige Hydra: Dass wir unterhaltsame Filme machen, die gleichzeitig auch Kunst sind. Ich möchte beides. Ich möchte einen großartigen, künstlerisch wertvollen Film sehen, der mich aber auch zutiefst unterhält und bewegt.”


Bernd Eichinger

„Ich denke, ich mache immer große Kunst, außer es misslingt mir – was auch passiert –, aber ich strebe die Kunst zumindest an. Manchmal kommt auch ein verkleckstes Bild raus, aber wie wir wissen, ist das sogar großen Malern so gegangen.”


Matthias Elwardt

„Das Kino ist der Heimatort des Films. Wir brauchen berührende Geschichten, in Bildern für die große Leinwand. Nicht kleine Fernsehgerichte, häufig übergossen mit einer unsäglichen Musiksoße.”


Hans Helmut Prinzler

„Noch haben wir das Kino, also nichts wie hinein und lasst es dunkel werden, damit sich unsere Augen öffnen. Denn die deutsche Filmgeschichte ist besser als ihr Ruf! Und die deutschen Filme sind es doch sowieso, oder spätestens ab morgen, wenn alle guten Vorsätze von heute erfüllt werden.”


Til Schweiger

„Man könnte ja damit anfangen, dass man diese zwei Begriffe tilgt, weg damit: ‚Arthouse’ und ‚Mainstream’! Man könnte ja die Worte vertauschen: ‚Mainhouse’ und ‚Artstream’, dann wären die Kritiker erst mal ein bisschen verwirrt. Und dann könnten sie das auch nicht mehr so einfach in eine Schublade stecken. Und unsere Leidenschaft hätte dann freie Bahn.”


Ralph Schwingel

„Kein Mensch, der nicht leidenschaftlich ist, kann einen Film machen. Ich glaube trotzdem, man braucht auch das Stoische, man braucht auch das Genau-Hingucken und ich denke, es braucht in diesem Diskurs immer jemanden, der die Rolle spielt, sich zu fragen: Funktioniert das auch?”


Jasmin Tabatabai

„Ich sehe bei Shakespeare nie irgendwelche muffeligen, schlechtgelaunten Menschen. Ich sehe Leidenschaft! Hätte ich das Kino, würde ich wirklich alles drum geben, dass in Deutschland mehr Filme gemacht werden, die das Kind in mir ansprechen.”


Videoaufzeichnung: © 2008, Malte Kreutzfeldt / Deutsche Filmakademie

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