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Meisterklasse | Tongestaltung

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Emot(i)on – Die Alchemie des Tonbilds


Die Oscar-Preisträger Karen Baker Landers und Per Hallberg zu Gast in Berlin bei der Deutschen Filmakademie: Kein ‚Tech-Talk’ sollte es werden, kein Fachsimpeln über die besten Geräte oder die beste Software für die Audio-Bearbeitung. Zwanzig Filmprofis aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – darunter Komponisten, Sounddesigner und Regisseure der Deutschen Filmakademie – kamen für ein Wochenende nach Berlin, um an der ersten MEISTERKLASSE der Filmakademie teilzunehmen.

Der Einladung zum Auftakt dieser Reihe folgten auch Karen Baker Landers und Per Hallberg, die in den Vereinigten Staaten zu den wichtigsten Vertretern ihres Fachs gehören. Unter anderem waren sie verantwortlich für den Ton von GLADIATOR, GODZILLA und BRAVEHEART, und dies ist nur eine kleine Auswahl. Sie gehören seit Jahren zum festen Team von Regisseur Ridley Scott (GLADIATOR, ALIEN) und arbeiten darüber hinaus für sämtliche großen Studios in Los Angeles.

Ein zweitägiger Exkurs über Sound im Film also – über die Suche nach dem spezifischen Klang eines Films, über Teamwork und Qualität, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Europa und den USA. Ein Blick über Grenzen, der sich für alle lohnen sollte.

Eines wurde schnell deutlich: Die Arbeit an derart großen und kommerziell orientierten Filmen ist mit nichts zu vergleichen. Die amerikanischen Budgets sind oft zehnmal höher als in Deutschland. Dennoch liegt das Interesse von Hallberg und Landers nicht im Superlativ:


„It is not about ‚Is it loud', ‚is it big', ‚is it exciting' – it is ‚did it help and add and fit the film.'"

„What really impresses me is something someone thought through from beginning to end."

Es geht nicht darum, ob es laut ist oder groß oder aufregend – es geht darum, ob es hilft und ergänzt und passt.

Was mich am meisten beeindruckt ist, wenn jemand die Sache bis zum Ende durchgedacht hat.



Die kreative Suche nach dem richtigen Sound beginnt in Amerika und Deutschland bei jedem Film immer wieder aufs Neue; die Emotionalität der Tondramaturgie ist nur bis zu einem sehr begrenzten Punkt durch Budgetstärke zu intensivieren. Das hat einer der Teilnehmer, der 2006 mit einer LOLA ausgezeichnete Mischtonmeister Martin Steyer, im Anschluss an das Wochenende pointiert zusammengefasst:

„Mitentscheidend für das Gelingen eines Films ist die Freiheit, inspiriert über Schnitt und Ton nachdenken zu können. Sich in Ruhe umzusehen, den richtigen Ton zu finden und nachzudenken, wie dieser Film klingt, braucht Aufmerksamkeit und Zeit. In diesem bestimmt für beide Seiten anregenden Austausch wurde klar, worauf es ankommt: Nicht auf dem zu insistieren, was man schon weiß, und nur zu erfüllen, was man im Bild sieht, sondern zu finden, was man noch nicht wissen kann – um auf den Grundimpuls zurückzukommen, die Geschichte zu erzählen."

Die Geschichte erzählen und finden, was man nicht wissen kann: Das klingt einfacher als es ist. Denn es verlangt von allen, sich in den Dienst einer Sache zu stellen. Und es braucht Zeit, die es im Studioalltag oft nicht gibt. Diese Aufgabe ist ohne ein vertrautes und eingespieltes Team nicht lösbar.


Qualität und Teamarbeit

Seit über fünfzehn Jahre arbeiten Baker und Hallberg mit denselben Mitarbeitern. Nur durch genaue Kenntnis und hohe Effizienz lässt sich immer wieder „Zeit für das Wesentliche” finden. Tägliche Zusammenkünfte garantieren ein Höchstmaß an Kommunikation und Information, und nicht zuletzt der Hinweis darauf, er würde seinem Team nicht sagen, was sie tun sollen, sondern was sie nicht tun sollen, zeigt, wie wichtig diese Konzentration ist.


„We can't have alternates, because we do not have the time. Sometimes you have to ‚put your ass on the line' – stick to what you believe, and if that does not work: Well, that time you were wrong, so you have to fix it."

„Not only don't we need it – we don't even want to have the option of using it."

Wir bereiten keine Alternativen vor, dafür haben wir keine Zeit. Manchmal muß man eben seinen Arsch riskieren – bei dem bleiben, was man für richtig hält. Wenn das nicht funktioniert: Gut, diesmal hast du dich geirrt, dann musst du's halt reparieren.

Es ist nicht nur so, dass wir solche Alternativen nicht brauchen – wir wollen nicht einmal die Möglichkeit haben, sie zu benutzen.



In gewissem Sinne mischt sich hier allerdings auch eine, sagen wir, amerikanische Pragmatik mit hinein. Zwar gibt es in der Arbeit stets nur den vollen Einsatz, daneben aber auch ein großes Bewusstsein für den wirtschaftlichen Aspekt eines komplizierten künstlerischen Schaffens: Es kann nicht von Anfang an klar sein, wieviel Zeit für Recherche benötigt wird, und es gibt auch keine Garantie für Perfektion in kürzestmöglicher Zeit. Teamwork meint auch Vertrauen in das Können der künstlerischen Partner, und das schließt das Vertrauen des Regisseurs ein.


„[Ridley Scott] likes to surround himself with people he has a creative trust. [...] Why is it that we love what we do? Part of the love is to allow other people to add to your own process. Being open to that means you get surprised very positively, hopefully."

[Ridley Scott] umgibt sich gern mit Leuten, denen er künstlerisch vertraut. Warum lieben wir das, was wir tun? Ein Aspekt ist, anderen Menschen zu erlauben, dem eigenen Arbeitsprozess etwas hinzuzufügen. Demgegenüber offen zu sein, bedeutet mit Glück, sehr positiv überrascht zu werden.

 
Baker zitiert den in Hollywood lebenden deutschen Komponisten Hans Zimmer:

„You have to afford me the luxury of failure."

Du musst mir den Luxus gewähren zu scheitern.

 
Und Hallberg ergänzt:

„If someone calls up to hire us: If they don't want our opinion, if they don't want our ideas, they simply hired the wrong people."

Wenn jemand anruft und uns einen Job anbietet, aber weder unsere Meinung hören will noch sich für unsere Ideen interessiert – dann hat er schlicht die falschen Leute engagiert.



Wenn Sie mehr über den Beruf des Tongestalters erfahren möchten, schauen Sie sich weitere Interviews auf vierundzwanzig.de – Das Wissensportal der Deutschen Filmakademie an.

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