Noch deutlicher konnte es kaum werden: Diese Regisseure sind so verschieden wie ihre Filme. Detlef Buck hat mit KNALLHART eine griechische Tragödie, Hany Abu-Assad mit PARADISE NOW einen Thriller, Andreas Dresen mit SOMMER VORM BALKON einen tragikomischen Film gedreht. Vanessa Jopp hat ihren Film KOMM NÄHER auf Improvisationen aufgebaut, Florian Henckel von Donnersmarck DAS LEBEN DER ANDEREN jahrelang minutiös geplant. Hans-Christian Schmid schließlich folgt mit REQUIEM seinem Autor, seiner Geschichte und seiner Hauptdarstellerin. Um sich die folgenden Videosequenzen ansehen zu können, benötigen Sie QuickTime 7.






Gemeinsam ist ihnen eine Nominierung in der Kategorie ‚Bester Spielfilm’ für den Deutschen Filmpreis. Der Deutschen Filmakademie gelang es, zu diesem Anlass fünf der Regisseure zu einem Gespräch ins Filmtheater am Friedrichshain einzuladen. Regisseur Hany Abu Assad (PARADISE NOW) konnte leider nicht zugegen sein. Knapp zwei Stunden lang sprachen Schmid, Dresen, Buck, Jopp und Henckel von Donnersmarck über ihre Arbeit, Möglichkeiten und Grenzen des Mediums Film. Alfred Holighaus moderierte wie immer gekonnt, humorvoll und unnachgiebig.
Dass eine neu ins Leben gerufene Veranstaltung auf Anhieb auf ein so reges Publikumsinteresse stößt, ist ungewöhnlich. Vor beinahe vollbesetztem Saal wurde zum einen deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung der Regisseure untereinander ist – ein grundsätzliches Anliegen der Filmakademie –, wie sehr zum anderen aber auch, eine öffentlich geführte Diskussion zu einer intensiveren Beschäftigung des Publikums mit den Filmstoffen führen kann. Der Blick ‚hinter die Kulissen’ mag dazu beitragen. Sei es, weil Anekdoten aus der Arbeit die Distanz aufzuheben vermögen, oder weil die Ernsthaftigkeit erkennbar wird, mit der die hier zusammengekommenen Regisseure ihren Stoffen, ihren Darstellern und ihrem Publikum begegnen.
Natürlich ist die Wahrnehmung eines Films vollkommen subjektiv. Im Laufe des Abends wurde aber deutlich, wie sehr die Wahl der Stoffe und deren Umsetzung von der Persönlichkeit des Regisseurs bestimmt ist. Die Frage nach der Objektivität eines Films war strittig – eine Diskussion, die die Kunst übrigens seit Jahrzehnten führt. Die Wahrhaftigkeit aber, und hier waren sich alle einig, hängt stark von der Bereitschaft der Regisseure und Schauspieler ab, sich auf ihre Stoffe einzulassen. So war es nicht überraschend, dass in dieser Frage alle Regisseure eine sehr persönliche Sicht auf ihren Film erkennen ließen. Vielleicht war dies der Grund, warum das Publikum unter anderem diese wichtige Frage stellte:
Aus diesem oben beschriebenen, zutiefst individuell geprägten Ansatz ließe sich leicht der Schluss ableiten, Filmemacher nähmen die Bedürfnisse ihres Publikums nicht ernst. Aber jeder Regisseur wünscht sich Erfolg für seinen Film, und auch das wurde an diesem Abend deutlich: Natürlich wollen sie geliebt werden, aber nicht um jeden Preis. Es gibt eine Verantwortung der Filmschaffenden für ihre Stoffe, ihre Bilder, ihre Darsteller, ihr Publikum. Umgekehrt gibt es aber auch eine Verantwortung des Publikums im Umgang mit Filmen.
Wenn Filme nicht als reine Unterhaltung angesehen werden, sondern auch als Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und dem Leben, müssen sie zwangsläufig bisweilen auch sperrig, unbequem und hart sein. Dass diese Diskussion leidenschaftlich geführt wurde – und hoffentlich mit Leidenschaft weitergeführt wird –, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das Ende einer solchen Diskussion kann notwendigerweise nur offen sein, dies ist dem Sujet geschuldet. Andreas Dresen hat ein ähnliches Kontinuum auf wundersame Art zusammengefasst, als er seinen letzten Film lakonisch mit nur einer Schrifteinblendung enden ließ: ‚und so weiter’.
Text & Video: © 2006, Malte Kreutzfeldt / Deutsche Filmakademie