„[...] Die provozierende Frage ‚Muss jeder deutsche Film ins Kino?‘ wurde denn auch bei einer Diskussionsrunde vertieft, zu der die Deutsche Filmakademie geladen hatte. Auch hier saß Willi Geike mit auf dem Podium, unter Moderation von Akademie-Geschäftsführer Alfred Holighausdebattierten zudem DFFF-Projektleiterin Christine Berg, die Produzentin Maria Köpf (Zentropa), Matthias Elwardt vomAbaton-Kino und Hans-Christian Boese von Piffl Medien. Kritik gab es hier (wie auch bei der Veranstaltung der FFHSH) an der Regelung, wonach ein DFFF-geförderter Film mit 30 Kopien im Kino ausgewertet werden muss – selbst wenn sich das Projekt am Ende als missglückt herausstelle. Eine missliche Situation für alle Seiten: Ohne Kinoauswertung droht dem Produzenten eine Rückzahlung der Förderung, bei Kinoauswertung entstehen Verluste für den Verleih. Es werde über dieses Problem nachgedacht, versprach Christine Berg, betonte aber auch, dass diese Bedingung sicherstellen soll, dass tatsächlich Kinofilme, nicht etwa TV-Produktionen vom DFFF gefördert würden.
Hans-Christian Boese verortete einen anderen Grund für das generelle Überangebot an Filmen - er macht das Problem an einer Veränderung der Verleihstrukturen fest. Denn neben den traditionellen Verleihern drängten in den vergangenen Jahren viele neue Agenturen auf den Markt. Dadurch entstünden auch immer wieder ungünstige Startsituationen, wenn etwa drei Coming-of-Age-Filme gleichzeitig anliefen. Deshalb müsse man genau aussuchen, was man spiele, ergänzt Matthias Elwardt vom Abaton-Kino. Das Publikum entscheide sich nur für die Filme, die es interessiere. Bei kleinen Filmen schaffe man es, einmal ein Event zu lancieren, aber darüber hinaus bestehe selten Interesse. Wenn allerdings Zuschauer nach einem bestimmten Film fragten, etwa per E-Mail, dann versuche er, ihn ins Kino zu holen.
Generell weniger zu produzieren, löst das Problem nach Ansicht von Maria Köpf jedenfalls nicht. Die Definition von Erfolg und Qualität sei schwierig. So manches preisgekrönte Meisterwerk fände kaum Zuschauer. Andererseits könne ein preiswert hergestellter Film seine Kosten oft trotz geringer Besucherzahlen einspielen, während es ein Film mit hohem Budget trotz Kinoerfolgs gelegentlich nicht schaffe. Gerade im Segment der mittleren Arthouse-Filme sei das Verhältnis zwischen Produzentenrisiko und Förderung besonders ungünstig. So werden Produzenten, Verleiher und Kinomacher sich weiterhin auf ihr Gespür für das richtige, erfolgsversprechende Projekt verlassen müssen.“
hp/bf in Blickpunkt:Film vom 24. Oktober 2011
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