Jetzt ist es also doch passiert. Kurt Maetzig ist tot. Der Mann, der wie kein zweiter für die Filmkultur im real existierenden deutschen Sozialismus stand, der Mitbegründer der DEFA, der Gründungsdirektor der ältesten Filmhochschule Deutschlands (HFF Konrad Wolf), der Propaganda- Filmer (FÜHRER SEINER KLASSE, 1956) und der kinematografische Dissident (DAS KANINCHEN BIN ICH, 1965) starb am 8. August 2012 in seinem Haus in Wildkuhl (Mecklenburg-Vorpommern) im Alter von 101.
1911 wurde Maetzig in Berlin geboren, fand über den Beruf seines Vaters, der ein Filmkopierwerk betrieb, bald zum filmischen Handwerk (das ihm schließlich mehr bedeutete als seine Studien der Betriebswissenschaft, Psychologie und Jurisprudenz) – und über das Schicksal seiner Familie zu seinem wichtigsten Thema: Seine Mutter war Jüdin und nahm sich kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges das Leben. Der überzeugte Antifaschist Maetzig wollte eine menschenwürdige Zukunft und trat noch 1944 in die Partei ein, von der er die Gestaltung einer solchen erwartete, die KPD. Diese Erwartung hielt sich auch noch, als sie von dem System, an das er lange glaubte, längst verraten worden war.
1965 drehte Maetzig seinen berühmtesten Film. Und ausgerechnet der wurde verboten: DAS KANINCHEN BIN ICH basierte auf einem Roman von Manfred Bieler und setzte sich kritisch mit der Strafjustiz in der DDR auseinander. Er gehörte zu den „Regalfilmen“, die nach einem Beschluss des 11. Plenums des ZK der SED nicht mehr gezeigt werden durften und nach ihrer Präsentation im Programm der Berlinale 1990 große Beachtung fanden.
Seine letzten Filme drehte Maetzig Mitte der siebziger Jahre. 1983 war er Mitglied der Berlinale-Jury. Zu seinem neunzigsten Geburtstag hat ihm die DEFA-Stiftung eine eigene Homepage geschenkt, die er bis zuletzt aktiv betrieb. Er war auch stets per E-Mail zu erreichen.
Seit 2004 war Kurt Maetzig Ehrenmitglied der Deutschen Filmakademie. Dass er auch noch der erste deutsche Filmregisseur war, der nach dem Krieg und noch vor der Gründung beider deutscher Staaten einen Filmpreis bekam, haben wir erst später von ihm selbst erfahren. Für EHE IM SCHATTEN (1947), seinen berührenden Film über das Schicksal eines deutsch-jüdischen Künstlerpaares während der Zeit des Nationalsozialismus, erhielt er den „Bambi“ als „bester künstlerischer deutscher Film des Jahres 1948“.
Deutsche Filmakademie e.V.
Köthener Straße 44
10963 Berlin
T: +49 30 257 587 9-0
F: +49 30 257 587 9-10
E: info@deutsche-filmakademie.de