
Die Mitglieder der Deutschen Filmakademie haben auf ihrer Versammlung am 27. November 2004 in Berlin folgende Resolution verabschiedet:
Wir, die Mitglieder der Deutschen Filmakademie, beobachten mit großer Irritation, dass Deutschland Weltmeister ist in der steuerlichen Begünstigung von privatem Geld, das in den Filmbereich fließt – aber eben nicht ins eigene Land! Kulturstaatsministerin Dr. Weiss hat im SPIEGEL vorgerechnet, dass in den letzten fünf Jahren 12 Mrd. Euro deutschen, steuerbegünstigten Anleger-Kapitals via Medienfonds nach Hollywood gegangen sind. Und Frau Dr. Weiss hat angekündigt, dass sie daran arbeitet, in Zukunft einen Gutteil dieses Geldes in die deutsche Filmwirtschaft fließen zu lassen. In diesem Anliegen wollen wir Frau Weiss hiermit unbedingt unterstützen!
Die Mitglieder der Deutschen Filmakademie sehen sich nicht zuvörderst als Filmwirtschaftsexperten. Im Fokus der Akademie stehen die Sicherung und Entwicklung der kreativen Kompetenz des deutschen Films. Aber wir wissen natürlich genau, dass unser sehr kapitalintensives Produkt in seinem großen, internationalen Markt nur bestehen kann, wenn zu Hause die Ressourcen vorhanden sind und die wirtschaftliche Basis stimmt.
Steueranreize für Investoren und Produzenten sind gerade im neuen Europa das Instrument, die Filmbranche industriepolitisch zu entwickeln und Koproduktionen anzustoßen – und überall ist ein derartiges Angebot an die internationale Branche mit einem ‚National Spend’ verbunden. Damit wird in immer mehr Ländern für einen Entwicklungsschub in der heimischen Filmwirtschaft gesorgt – und das bedeutet jedesmal mehr Auslastung für die Studios, mehr Produktion und Koproduktion im Land, mehr Qualifikation ‚on the job’ für die künstlerisch und technisch Kreativen, kurz und gut: neue Arbeitsplätze, Innovation und Erfolge in der Zukunftsbranche Filmwirtschaft.
So etwas brauchen wir in Deutschland auch! Neben die traditionelle, schwerpunktmäßig kulturelle Filmförderung muss ein zweites, allen gleichermaßen zugängliches Förderinstrument treten: Steuerliche Anreize für die Platzierung von privatem Anlegerkapital in deutsche und internationale Filmproduktionen – allerdings mit einer klar definierten Verpflichtung, Herstellungskosten in Deutschland zu verausgaben.
Wir hören, dass die Kulturstaatsministerin es nicht leicht hat, sich mit dieser Initiative beim Finanzminister durchzusetzen. Selbstverständlich ist es richtig, die Änderung von Rahmenbedingungen exakt zu prüfen. Wir sind an einer nachhaltigen Lösung interessiert: Wir wollen eine solide Regelung, die uns Produktionen unseren Potentialen gemäß ermöglicht – Erfolge wie NIRGENDWO IN AFRIKA, GOODBYE, LENIN!, DAS WUNDER VON BERN stehen dafür.
Wir, die Produzenten, Regisseure, Autoren, Schauspieler, Komponisten, Kameraleute, Szenenbildner, Kostümbildner, Maskenbildner, Cutter, Tongestalter der Deutschen Filmakademie, appellieren deshalb an den Bundeskanzler, die Initiative seiner – und unserer – Kulturstaatsministerin wirkungsvoll zu unterstützen und eine schnelle Lösung für eine steuerliche Förderung deutscher und internationaler Filmproduktionen, die in Deutschland gedreht und produziert werden, herbeizuführen.
Berlin, 27. November 2004